Spinalkanalstenose: Wenn es eng wird im knöchernen Wirbelkanal

  1. Was ist eine Spinalkanalstenose und was sind ihre Ursachen?
  2. Wie macht sich eine Spinalkanalstenose bemerkbar?
  3. Wie wird eine Spinalkanalstenose diagnostiziert?
  4. Wie kann man eine Spinalkanalstenose behandeln?
Darstellung einer SpinalkanalstenoseAnsicht eines Wirbelkörpers von oben. Bei einer Spinalkanalstenose sind die den Wirbelkanal bildenden Wirbellöcher durch knöcherne Anbauten und Bandverdickungen verengt. Dadurch bieten sie dem Rückenmark weniger Platz. © Corbacserdar, adobe

Bei einer Spinalkanalstenose ist der in der Wirbelsäule liegende Wirbelkanal eingeengt. Die Ursache sind meist verschleißbedingte Knochenanbauten, die in den Kanal hinein „wuchern“. Dadurch wird das dort verlaufende Nervengewebe (das Rückenmark) bedrängt. Mit der Zeit verstärkt sich der Platzmangel und der Druck auf die Nerven steigt. Es entwickeln sich Schmerzen, Missempfindungen, Gehstörungen oder sogar Lähmungen. Die Spinalkanalstenose wird meist konservativ behandelt, reicht dies nicht aus, empfehlen Rückenspezialisten meist eine operative Behandlung.

Was ist eine Spinalkanalstenose und was sind ihre Ursachen?

MRT einer lumbalen SpinalkanalstenoseMRT-Bild einer lumbalen Spinalkanalstenose: Die Einengung des Rückenmarks im Bereich der Lendenwirbelsäule ist mit gelben Pfeilen markiert. © Gelenk-Klinik

Bei der Spinalkanalstenose (abgekürzt auch Spinalstenose genannt) handelt es sich um eine Einengung des knöchernen Wirbelkanals. Der Wirbelkanal wird durch die Löcher in den übereinanderliegenden Wirbelkörpern gebildet. Er verläuft vom Hinterhaupt durch Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule bis zum Kreuzbein und enthält das Rückenmark.

Das Rückenmark besteht aus Nervenzellen und Nervenfasern. Als Schaltstelle zwischen Gehirn und Körper leitet es Bewegungsbefehle vom Gehirn zu Armen und Beinen und Sinneseindrücke vom Körper zum Gehirn. Je nachdem, wo die Spinalkanalstenose sitzt und welche Bereiche des Rückenmarks eingeengt sind, kommt es zu Störungen dieser Funktionen. Typische Folgen sind z. B. Rückenschmerzen, Schmerzen beim Gehen oder Missempfindungen und Taubheitsgefühle.

In den allermeisten Fällen entsteht eine Spinalkanalstenose durch verschleißbedingte (degenerative) Veränderungen an den Wirbelkörpergelenken. Dabei kommt es zu Knochenanbauten (Osteophyten), die, sobald sie in den Wirbelkanal hineinragen, diesen verengen. Auch altersbedingte Wucherungen an den Wirbelkörpern (Osteophyten) und die Verdickung von Bändern führen dazu, dass es im Wirbelkanal zu eng wird. Neben dem Verschleiß können auch Wirbelbrüche oder Wirbelgleiten zu einer Spinalkanalstenose führen. Sehr selten sind Spinalkanalstenosen angeboren und bestehen damit von Geburt an.

Häufige Erkrankung

Die Spinalkanalstenose ist eine der häufigsten Wirbelsäulenerkrankungen. Sie kommt vor allem im Alter vor. Man schätzt, dass etwa jeder fünfte Mensch über 60 Jahren daran leidet. Die Beschwerden variieren dabei stark, je nachdem, wo die Einengung sitzt und wie ausgeprägt sie ist. Zudem macht nicht jede Einengung Symptome. Manche sind zwar radiologisch gut sichtbar, obwohl der Betroffene überhaupt keine Beschwerden hat.

Wie macht sich eine Spinalkanalstenose bemerkbar?

Grafik: Mann mit Schmerzen im unteren Rücken bei Morbus BechterewEine Spinalkanalstenose kann zu fast unerträglichen Schmerzen im unteren Rücken führen. Oft strahlen diese auch aus und es entwickeln sich starke Beinschmerzen, die das Gehen erschweren. © peterschreiber.media, Adobe Stock

Eine Spinalkanalstenose entwickelt sich meist über einen längeren Zeitraum und macht sich deshalb eher schleichend bemerkbar. Die Beschwerden hängen davon ab, wo es im Wirbelkanal eng wird und welcher Bereich des Rückenmarks Druck bekommt.

Bei einer Enge im Bereich der Lendenwirbelsäule kommt es vor allem zu Rückenschmerzen, die ins Bein ausstrahlen und belastungsabhängigen Beinschmerzen. Die Beinschmerzen führen dazu, dass die Betroffenen beim Gehen immer wieder Pausen einlegen müssen (Schaufensterkrankheit, medizinisch Claudicatio intermittens). Im fortgeschrittenen Stadium kann für manche der Betroffenen das Gehen völlig unmöglich werden. Typisch ist bei einer Spinalstenose im LWS-Bereich, dass Fahrradfahren oft gut möglich ist: Das liegt daran, dass in vorgebeugter Haltung der Wirbelkanal aufgeweitet wird und dadurch der Druck auf das Rückenmark vorübergehend sinkt.

Ist der Spinalkanal im Halsbereich eingeengt, berichten die Patienten über Nackenschmerzen und Schulterschmerzen. Die Schmerzen können in Arme und Finger ausstrahlen. Häufig sind Muskelkraft, Gefühl und Geschicklichkeit beeinträchtigt. Typischerweise haben Betroffene oft Probleme beim Zuknöpfen von Hemden und Aufdrehen von Verschlüssen. Ist die Enge sehr stark ausgeprägt, kann es zu Gehstörungen kommen. Zudem droht schon bei leichten Verletzungen eine starke Schädigung des Rückenmarks bis hin zu einer Querschnittslähmung.

Wie wird eine Spinalkanalstenose diagnostiziert?

neurologische und neurochirurgische UntersuchungEine umfassende klinische und neurologische Untersuchung schafft die Grundlage für die Interpretation der Bildgebung. Ohne die genaue Untersuchung von Schmerzen, Ausfällen, Gefühlsstörungen und Reflexen kann man nicht sagen, welche der radiologisch gefundenen spinalen Stenosen ursächlich für die Beschwerden ist. © Gelenk-Klinik

In einem ausführlichen Gespräch lässt sich der Arzt zunächst die Beschwerden des Patienten schildern. Er fragt danach, wo genau und wann die Schmerzen auftreten, insbesondere, ob sie belastungsabhängig sind. Bei der körperlichen Untersuchung prüft er das Gangbild, die Beweglichkeit von Rücken und Beinen sowie Muskelkraft, Reflexe und Sensibilität. Mithilfe der Elektromyographie (EMG) lassen sich Nervenschäden erkennen.

Für die genaue Diagnose sind bildgebende Verfahren unerlässlich. Damit kann man erkennen, wo der Wirbelkanal zu eng ist und ob dadurch Nervengewebe komprimiert wird.

  • Mit einer MRT kann man das Rückenmark, die Nervenwurzeln und Bandscheiben direkt darstellen und beurteilen, ob Nervengewebe eingeengt ist.
  • Röntgen und CT stellen die knöchernen Veränderungen der Spinalkanalstenose dar, z. B. die Osteophyten und die Arthrose der Wirbelgelenke.

Wie kann man eine Spinalkanalstenose behandeln?

Wenn eine Spinalkanalstenose Beschwerden verursacht, wird zunächst meist konservativ behandelt. Dafür gibt es verschiedene Optionen, die man häufig kombiniert.

Mithilfe von Physiotherapie und speziellen Übungen soll die Rückenmuskulatur aufgebaut und gestärkt werden. Manuelle und physikalische Therapien dienen vor allem der Lockerung von muskulären Verspannungen. Im frühen Stadium können Schmerzmittel die Beschwerden lindern. In einigen Fällen sind zur psychischen Entlastung der Betroffenen auch Antidepressiva eine Option.

Reicht dies nicht aus, empfehlen Rückenspezialisten meist Verfahren der interventionellen Schmerztherapie. Dabei werden Kortison oder örtliche Betäubungsmittel in die Nähe der Verengung gespritzt.

Bei stark fortschreitender Erkrankung, nicht mehr beherrschbaren Schmerzen oder drohenden Lähmungen bzw. Blasen-Darm-Störungen kann eine Operation helfen. Dadurch sollen die Schmerzen gelindert und die Gehfähigkeit möglichst erhalten werden. Verschiedene Verfahren stehen je nach Ausprägung und Ort der Einengung zur Wahl:

  • die mikrochirurgische Dekompression,
  • die Spondylodese (Stabilisierung der Wirbelkörper durch Fusion)
  • und die
  • Implantation von Abstandshaltern oder Spreizern