Operative Therapie der Spinalkanalstenose

Grafik: Mann mit Schmerzen im unteren Rücken bei Morbus BechterewEine Spinalkanalstenose kann zu fast unerträglichen Schmerzen im unteren Rücken führen. Oft strahlen diese auch aus und es entwickeln sich starke Beinschmerzen, die das Gehen erschweren. © peterschreiber.media, Adobe Stock

Die Mehrheit der Spinalkanalstenosen wird konservativ behandelt. Reichen die Maßnahmen nicht aus, sind operative Verfahren eine Option. Mit mikrochirurgischer Dekompression, einer Versteifung (Spondylodese) oder seltener auch dem Einpflanzen von Spreizern können die Schmerzen häufig gelindert und die Gehstrecke verlängert werden.

  1. Wann wird bei einer Spinalkanalstenose eine Operation empfohlen?
  2. Mikrochirurgische Dekompression bei Spinalkanalstenose
  3. Spondylodese bei Spinalkanalstenose
  4. Interspinöse Spacer (Spreizer) bei Spinalkanalstenose
  5. Komplikationen und Risiken bei der operativen Behandlung einer Spinalkanalstenose
  6. Nachbehandlung nach der Operation einer Spinalkanalstenose

Wann wird bei einer Spinalkanalstenose eine Operation empfohlen?

MRT einer lumbalen SpinalkanalstenoseMRT-Bild einer lumbalen Spinalkanalstenose: Die Einengung des Rückenmarks im Bereich der Lendenwirbelsäule ist mit gelben Pfeilen markiert. © Gelenk-Klinik

In vielen Fällen lassen sich weniger stark ausgeprägte Spinalkanalstenosen ohne Operation symptomatisch behandeln. Hier sind eine qualitativ hochwertige physikalische Therapie sowie Physiotherapie angezeigt. Daneben kann man mithilfe der interventionellen Schmerztherapie die unmittelbaren Schmerzen und Einschränkungen angehen. Dabei spritzt der Arzt unter Röntgenkontrolle gezielt Kortison und ein lokales Betäubungsmittel direkt an die Nervenwurzel oder in den Epiduralraum. Damit können die Entzündung und die Schmerzen gebessert werden, die Engstelle selbst wird nicht beseitigt.

Eine Operation der Spinalkanalstenose sollte erfolgen, wenn bereits Nervenausfälle wie Lähmungen, Taubheitsgefühl oder Funktionsstörungen vorhanden sind und die Beschwerden die Aktivität, die Arbeitsfähigkeit oder das Gehvermögen einschränken. Ziel der Operation ist die Entfernung des einengenden Gewebes und damit die Entlastung der Nerven sowie die Erweiterung des Spinalkanals.

Zur Beseitigung der Stenose gibt es je nach Ursache verschiedene Möglichkeiten. Grundprinzip ist, das verengende Gewebe wie z. B. eine vorgefallene Bandscheibe, degenerative Knochenanbauten oder einen Tumor zu entfernen. Dies kann minimalinvasiv/endoskopisch oder über eine offene Operation erfolgen.

Das Standardverfahren ist heute in den meisten Kliniken die mikrochirurgische Dekompression. Steht die Instabilität der Wirbelsäule im Vordergrund, wird zusätzlich meist eine Spondylodese durchgeführt. In seltenen Fällen implantiert der Chirurg auch interspinöse Spacer oder Spreizer, die den Kanal erweitern sollen.

Wann nicht operiert werden kann

Die Spinalkanalstenose tritt insbesondere bei älteren und alten Menschen auf, die häufig zahlreiche Begleiterkrankungen haben. Bei schwerer Herzschwäche, fortgeschrittener Lungenerkrankung oder starker Gebrechlichkeit kann das Operations- und Narkoserisiko zu hoch sein, um einen Eingriff durchzuführen. Manchmal spricht auch der orthopädische Befund gegen eine Operation. So z. B., wenn der Eingriff zwar technisch möglich wäre, aber die Erfolgsaussichten zu gering sind. Dies ist der Fall, wenn die Nervenschäden schon irreversibel sind oder weitere Ursachen vorliegen und die Stenose nur einen Teil der Beschwerden erklärt.

In solchen Situationen konzentrieren sich die therapeutischen Bemühungen weiter auf Physiotherapie, gezieltes Gehtraining und eine intensive, häufig auch interventionelle Schmerztherapie. Oft werden Rollatoren empfohlen, da die gebeugte Haltung den Spinalkanal etwas aufweitet und dadurch etwas längere Gehstrecken ermöglicht werden.

Mikrochirurgische Dekompression bei Spinalkanalstenose

Wirbelsäulenchirurg im OperationssaalMithilfe eines speziellen Operationsmikroskops kann der Wirbelsäulenchirurg störendes Gewebe im Spinalkanal genau identifizieren und mit feinsten Instrumenten entfernen. © Vadim, Adobe

Das am häufigsten eingesetzte Operationsverfahren bei Spinalstenose ist die mikrochirurgische Dekompression. Dekompression bedeutet, den eingeengten Spinalkanal zu erweitern und dadurch den Druck auf die Nerven zu verringern. Weil der Operateur während der Operation durch ein spezielles, hochauflösendes Mikroskop sieht und besonders feine Instrumente benutzt, spricht man von einer mikrochirurgischen Dekompression.

Bei der mikrochirurgischen Dekompression entfernt der Chirurg die Strukturen, die den Kanal einengen und auf das Nervengewebe drücken. Dabei kann es sich um verdickte Bänder (z. B. das Ligamentum flavum), knöcherne Anbauten (Osteophyten) oder vergrößerte Anteile der Wirbelgelenke handeln.

Offen oder mikrochirurgisch?

Auch die offene Operation mit Dekompression ist eine Möglichkeit, eine Spinalkanalstenose zu operieren. Die mikrochirurgische Technik gilt allerdings als gewebeschonender und es kommt zu weniger Blutungen. Zudem ist der stationäre Aufenthalt meist kürzer und der Patient kann schneller mobilisiert werden.

Ziel der mikrochirurgischen Dekompression ist, die Beinschmerzen, das Taubheitsgefühl und das Kribbeln zu lindern und die Gehstrecke wieder zu verlängern. Zudem soll die Erweiterung des Kanals die Nerven vor weiterer Schädigung schützen.

Die Mehrzahl der damit behandelten Patienten berichtet über eine deutliche Besserung der Beinschmerzen und der Gehfähigkeit. In vielen Fällen hält der Behandlungserfolg über Jahre hinweg an. Voraussetzung ist allerdings, dass die Indikation stimmt, die Beschwerden also tatsächlich von der Stenose herrühren, die MRT-Befunde gut zu den Symptomen passen und keine ausgeprägten dauerhaften Nervenschäden bestehen.

Spondylodese bei Spinalkanalstenose

Röntgenbild: Versteifung der LendenwirbelsäuleBei einer Spondylodese (operative Versteifung) werden die betroffenen Wirbel mittels Schrauben verbunden und so wieder stabilisiert. © praisaeng, Fotolia

Eine weitere operative Behandlungsmöglichkeit einer Spinalkanalstenose ist die Spondylodese, also die Fusion bzw. Versteifung von zwei oder mehr Wirbelkörpern. Die Versteifung ist ein irreversibler Eingriff. Er wird bei einer Spinalkanalstenose nur dann erwogen, wenn zusätzlich zur Verengung eine starke Instabilität vorliegt und eine alleinige mikrochirurgische Dekompression nicht ausreicht.

Der Chirurg verbindet die betroffenen Wirbel mit Schrauben, Stäben oder Platten. In den nachfolgenden Monaten wächst Knochen ein und es entsteht ein fester Knochenblock, der Bereich der Wirbelsäule ist damit versteift. Durch die Versteifung wird die zuvor instabile Wirbelsäule dauerhaft stabilisiert. Dadurch können die Schmerzen und etwaige Nervenprobleme gelindert werden. Die Versteifung schränkt zwar die Beweglichkeit im betroffenen Wirbelsäulenabschnitt ein, ist aber, sofern sie die Lendenwirbelsäule betrifft, im Alltag nicht unbedingt stark spürbar. Ein Nachteil der Methode ist jedoch, dass die mitversteiften Nachbarwirbel verstärkt belastet werden und inklusive Bandscheiben schneller verschleißen (sogenannte Anschlussdegeneration).

Bei einer guten Patientenauswahl kann die Spondylodese bei der Mehrzahl der Betroffenen die Schmerzen lindern. Die Indikation ist gegeben, wenn konservative Maßnahmen einschließlich einer spezialisierten Physiotherapie erfolglos sind und neben der Verengung eine ausgeprägte Instabilität vorliegt. Zudem sollten die Patienten über eine gute Knochenqualität verfügen, keine schweren psychischen Erkrankungen aufweisen und eine realistische Vorstellung bezüglich der Erfolgschancen haben.

Interspinöse Spacer (Spreizer) bei Spinalkanalstenose

Interspinöse Spacer (Spreizer) sind bei einer leichten bis mittelgradigen Spinalkanalstenose eine Option. Es handelt sich dabei um x-förmige Metallimplantate, die zwischen zwei Dornfortsätzen eingesetzt werden. Dadurch wird die Wirbelsäule auf diesem Höhenabschnitt vorwärtsgeneigt und der Spinalkanal dort etwas breiter. Ein Spacer wird heute überwiegend ergänzend zu einer mikrochirurgischen Dekompression eingesetzt.

Gemeinsam mit der mikrochirurgischen Dekompression können Spacer bei ausgewählten Patienten mit lumbaler Spinalkanalstenose die Schmerzen lindern und die Gehstrecke verlängern. Die langfristigen Ergebnisse fallen jedoch recht unterschiedlich aus. Zudem ist das Verfahren für Patienten mit schwerer Stenose, Gleitwirbeln oder Osteoporose ungeeignet. Insgesamt werden Spacer bei Spinalkanalstenose eher selten eingesetzt.

Komplikationen und Risiken bei der operativen Behandlung einer Spinalkanalstenose

Alle operativen Eingriffe bergen Risiken, die jedoch bei sorgfältiger Patientenauswahl und Durchführung in spezialisierten Zentren selten auftreten bzw. gut beherrschbar sind. Insgesamt gilt, dass die Operation einer Spinalkanalstenose sicher ist. Zu allgemeinen OP-Risiken kommt es gelegentlich, schwere Komplikationen wie dauerhafte Lähmungen treten in weniger als 1 % der Fälle auf.

Zu den Operationsrisiken gehören

  • Blutverlust oder verstärktes Nachbluten
  • Verletzung knöcherner Strukturen durch mechanische Einwirkungen während der Operation
  • Wundinfektionen
  • Wundheilungsstörung und verstärkte Narbenbildung
  • Verletzung von Nerven mit vorübergehenden Nervenreizungen, sehr selten auch dauerhafter Schädigung von Nerven (Lähmungen, bleibende Gefühlsstörungen)

Je nach Operation kann es Monate bis Jahre später zu weiteren Komplikationen kommen. Dies trifft vor allem auf die Spondylodese zu. Manchmal verwachsen die Knochen nicht, es kommt zu einer Pseudarthrose. Durch die Versteifung können sich in den Nachbarwirbeln Anschlussdegenerationen entwickeln. Wurden Implantate eingesetzt, können sich diese lockern.

Nachbehandlung nach der Operation einer Spinalkanalstenose

Älterer Mann, der nach Operation, die Treppe hochgeht.Ziel der Operation ist es, die Schmerzen zu lindern, die Gehstrecke zu erhalten oder zu verlängern und ein selbstständiges Leben zu Hause zu ermöglichen. © Adobe, WavebreakMediaMicro

Nach der Operation bleibt der Patient einige Tage im Krankenhaus. Dort lernt er zunächst, rückengerecht aufzustehen. In den ersten Tagen geht er kurze Strecken. Ziel ist, dass er sich nach der Entlassung ohne fremde Hilfe zu Hause bewegen kann. Schon in der Klinik erhält der Patient meist Krankengymnastik und lernt Übungen, die er auch zu Hause durchführen soll.

Nach dem Krankenhausaufenthalt ist eine Rehabilitation sinnvoll. Diese kann stationär oder ambulant erfolgen und dauert etwa drei bis vier Wochen. Danach wird eine Abschlussuntersuchung durchgeführt.

Die Belastbarkeit wird in der Regel vom behandelnden Arzt festgelegt. Meist sollen die Patienten in den ersten drei Monaten nicht mehr als 10 bis 15 kg heben. Bewegungen, die Schmerzen auslösen, sollten abgebrochen und nicht wiederholt werden.