Mikrochirurgische (mikroskopische) Bandscheibenoperation

Wirbelsäulenchirurg im OperationssaalMithilfe eines speziellen Operationsmikroskops kann der Wirbelsäulenchirurg störendes Gewebe im Spinalkanal genau identifizieren und mit feinsten Instrumenten entfernen. © Vadim, Adobe

Sollte ein Bandscheibenvorfall nicht auf eine intensive konservative Therapie ansprechen oder sich sogar eine neurologische Symptomatik mit Gefühlsstörungen oder Lähmungen entwickelt haben, so muss Ihnen der Wirbelsäulenchirurg zur Operation des Bandscheibenvorfalles raten. Am häufigsten wird die Bandscheibe mithilfe der mikroskopischen Bandscheibenoperation (mikroskopische Diskektomie) entfernt. Der Eingriff erfordert eine Allgemeinnarkose und einen kurzen stationären Aufenthalt.

  1. Was ist eine mikroskopische Bandscheibenoperation?
  2. Wann wird die mikroskopische Bandscheibenoperation eingesetzt?
  3. Wie läuft die mikroskopische Bandscheibenoperation ab?
  4. Was unterscheidet die mikroskopische Bandscheibenoperation von anderen Bandscheibenoperationen?

Was ist eine mikroskopische Bandscheibenoperation?

Die mikroskopische Bandscheibenoperation ist ein Verfahren zur Behandlung einer geschädigten oder vorgefallenen Bandscheibe. Das Besondere daran ist, dass der Chirurg beim Operieren das OP-Gebiet durch ein Mikroskop betrachtet.

So erfolgreich ist die mikroskopische Bandscheibenoperation

Die mikroskopische bzw. mikrochirurgische Entfernung eines Bandscheibenvorfalls zählt zu den erfolgreichsten Eingriffen in der Wirbelsäulenchirurgie. Ausstrahlende Schmerzen in Arm oder Bein bessern sich oft unmittelbar nach der Operation oder innerhalb weniger Wochen. Der Erfolg hängt letztendlich vom Ausmaß des Vorfalls, der Dauer der Beschwerden und bestehenden Begleiterkrankungen ab.

Operiert wird in der Regel mit einem speziellen hochauflösenden Operationsmikroskop und besonders feinen Instrumenten. Durch die starke Vergrößerung und die optimale Ausleuchtung kann der Chirurg auch kleinste anatomische Strukturen präzise erkennen und den Bandscheibenvorfall gezielt entfernen. Dadurch werden Muskeln, Bänder und andere umliegende Gewebe geschont. Auch die Gefahr der Verletzung benachbarter Nervenstrukturen wird erheblich vermindert.

Die gute Sicht ermöglicht es dem Chirurgen während der Operation, auch mit unvorhergesehenen Veränderungen oder anatomischen Varianten umzugehen. Aufgrund ihrer hohen Sicherheit, Präzision und ihres langjährigen Einsatzes gilt die mikroskopische Operation als Goldstandard für die Behandlung bandscheibenbedingter Nervenkompressionen.

Wann wird die mikroskopische Bandscheibenoperation eingesetzt?

Schematische Darstellung eines BandscheibenvorfallsDarstellung eines Bandscheibenvorfalls (Diskusprolaps). Der innere Bandscheibenkern (dunkelblau) durchbricht den äußeren Faserring (hellblau) und kann einen Spinalnerven (gelb) komprimieren. Wenn ein Nerv oder das Rückenmark eingeengt wird, hat der Bandscheibenvorfall ernste Folgen: Schmerzen, Lähmungen und dauerhafte Ausfälle sind möglich. © Gelenk-Klinik

Hier muss operiert werden:

  • therapieresistente Schmerzen
  • fortschreitende Muskelschwäche
  • Nervenausfälle
  • Blasen- oder Mastdarmstörungen

Mithilfe der mikroskopischen Bandscheibenoperation kann man sowohl Bandscheibenvorfälle an der Lendenwirbelsäule als auch an der Halswirbelsäule behandeln. Der Eingriff kommt in Betracht, wenn die Beschwerden trotz Physiotherapie, Infiltrationen oder Schmerzmitteln anhalten oder zunehmen.

Auch im Notfall, also wenn der Bandscheibenvorfall auf Nerven drückt und damit Lähmungen, Gefühlsstörungen oder gar Störungen von Blasen- oder Darmfunktion auslöst, ist die mikroskopische Bandscheibenoperation meist erste Wahl.

Wie läuft die mikroskopische Bandscheibenoperation ab?

Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose und dauert etwa 60 bis 90 Minuten. Nach dem „Einschlafen“ sichert der Anästhesist die Atmung über einen Beatmungsschlauch und überwacht während der OP u. a. die Herz-Kreislauf-Funktion und die Sauerstoffsättigung.

Der Patient wird auf dem OP-Tisch gelagert, bei einem LWS-Bandscheibenvorfall meist in Bauchlage, bei einem Vorfall an der Halswirbelsäule in Rückenlage. Die Haut im Bereich des Operationsgebietes wird desinfiziert und mit sterilen Tüchern abgedeckt.

Über dem betroffenen Wirbelsäulenabschnitt macht der Chirurg einen kleinen Hautschnitt und schiebt die Muskulatur darunter auseinander. Das Operationsmikroskop mitsamt integrierter Lichtquelle wird über dem Operationsgebiet positioniert (und nicht wie bei einer endoskopischen OP in den Körper eingeführt). Dadurch kann der Chirurg von außen in die Tiefe des optimal ausgeleuchteten Operationsfelds blicken.

Der Chirurg identifiziert den Bandscheibenvorfall und überprüft, wo das Nervengewebe eingeengt wird. Er entfernt die vorgefallenen Bandscheibenanteile und beseitigt damit den Druck auf den Nerv. Danach werden die einzelnen Gewebeschichten verschlossen, die Haut vernäht oder geklammert und ein steriler Verband angelegt.

Im Aufwachraum wird der Patient noch einige Zeit überwacht. Ist er wieder wach und der Kreislauf stabil, erfolgt die Verlegung auf die Normalstation. Je nach Operation kann der Patient meist am nächsten Tag wieder aufstehen und unter Anleitung kurze Strecken gehen. Nach einigen Tagen stationärem Aufenthalt beginnt die Rehabilitation.

Was unterscheidet die mikroskopische Bandscheibenoperation von anderen Bandscheibenoperationen?

Prinzipiell gibt es drei Möglichkeiten, einen operationspflichtigen Bandscheibenvorfall zu behandeln:

  • die mikroskopische (mikrochirurgische) Bandscheibenoperation,
  • die endoskopische Bandscheibenoperation und
  • die offene Bandscheibenoperation.

Die mikroskopische OP ist der Goldstandard und macht in Deutschland etwa 75-80% aller operativen Behandlungen von Bandscheibenvorfällen aus. Die endoskopische Technik wird in 10-20% der Fälle angewendet, gewinnt aber zunehmend an Bedeutung. Das klassische offene Verfahren kommt nur selten zum Einsatz.

Die mikrochirurgische Bandscheibenentfernung bietet dem Operateur durch den direkten Zugang und die dreidimensionale Vergrößerung unter dem Operationsmikroskop eine sehr gute Übersicht über die anatomischen Strukturen. Dadurch können Bandscheibenvorfälle unabhängig von ihrer Größe, Lage oder Ausdehnung in den meisten Fällen sicher erreicht und entfernt werden. Auch stark sequestrierte, oder nach oben (kranial) oder unten (kaudal) verlagerte Vorfälle lassen sich damit zuverlässig behandeln. Gleiches gilt für andere schwierige Gegebenheiten wie enge anatomische Verhältnisse, knöcherne Verengungen oder komplexe oder bereits voroperierte Situationen.

Die endoskopische Bandscheibenentfernung hat den Vorteil der minimalinvasiven Eingriffe: Sehr kleiner Zugang, kaum Verletzung der benachbarten Strukturen und damit weniger postoperative Schmerzen, eine bessere Wundheilung und eine schnelle Erholung nach der Operation. Auch die Komplikationsrate ist etwas geringer als bei der mikroskopischen Operation. Im Gegensatz zu dieser ist die endoskopischen Bandscheibenentfernung nicht für alle HWS- und LWS-Bendscheibenvorfälle geeignet. Dazu zählen unter anderem weit verlagerte Sequester, ausgeprägte knöcherne Einengung des Spinalkanals, komplexe Mehrsegmenterkrankungen sowie manche Revisionsoperationen.

Die klassische offene Bandscheibenoperation hat im Vergleich die höchste Komplikationsrate, die längste Wundheilung und das höchste Risiko, im Wirbelkanal Narben zu hinterlassen. Außerdem sind die postoperativen Schmerzen größer und die Erholungsphase dauert deutlich länger. Diese Technik wird deshalb nur noch in Ausnahmefällen angewendet, wenn die mikroskopische Operation an ihre Grenzen stößt. Dies sind z. B.

  • eine begleitende Spinalkanalstenose,
  • eine Instabilität der Wirbelsäule,
  • ausgeprägtes Narbengewebe aufgrund von Vor-Operationen oder
  • ein Verdacht auf eine begleitende Infektion oder einen Tumor.